3. Spieltag: Die Sache mit Marco Reus

Es gibt Themen, die drängen sich einem auf und dann gibt es Themen, die eher am Rand stehen, aber gerne mal besprochen werden wollen. Diese Woche würde ich gerne Elfmetersituationen im Zweikampf Mann gegen Mann sprechen. Am Beispiel eines Spielers, der gleich zwei Elfmeter in zwei aufeinanderfolgenden Spielen bekommen hat: Marco Reus.

Marco Reus ist ein junges deutsches Talent in den Reihen von Borussia Mönchengladbach, die letzte Saison angeblich sogar ein Angebot über 15 Millionen € vom Gegner des dieswöchigen Spieltages, dem VfL Wolfsbug, ausschlugen und lieber auf die Dienste des 22jährigen setzten.

Der gebürtige Dortmunder kommt vornehmlich über die rechte Offensivseite, kann aber auch als hängende Spitze oder über die linke Seite kommen. So wie am vergangenen Freitag, nachdem mit Michael Schulze ein nahezu bundesligaunerfahrener Rechtsverteidiger für den verletzten Hasan Salihamidzic eingewechselt wurde. Dieser Michael Schulze hatte so seine Probleme mit dem flinken Reus, dessen Nationalelfdebüt jetzt schon zum 4 mal verschoben wurde. So kam es dann auch im Strafraum zu einem Aufeinandertreffen von Schulze und Reus. Der Ex-Wolfsburger und Ex-Nationalspieler Mike Hanke schickt Reus in die Tiefe, der im Strafraum den Ball an Schulze vorbeilegt und nach dem Zusammenprall mit dem Jungwolfe hinfällt. Schiedsrichter Markus Schmidt entscheidet sofort auf Elfmeter und verwarnt Schulze mit der gelben Karte.

Markus Schmidt kann den Elfmeter mit der DFB-Regel zum Direkten Freistoß rechtfertigen, denn es heißt dort:

Ein Spieler verursacht einen direkten Freistoß für das gegnerische Team, wenn er eines der nachfolgend aufgeführten sieben Vergehen nach Einschätzung des Schiedsrichters fahrlässig, rücksichtslos oder mit unverhältnismäßigem Körpereinsatz begeht:
 einen Gegner tritt oder versucht, ihn zu treten,
 einemGegner das Bein stellt oder es versucht,
 einen Gegner anspringt,
 einen Gegner rempelt,
 einen Gegner schlägt oder versucht, ihn zu schlagen,
 einen Gegner stößt,
 einen Gegner bedrängt

Demgegnerischen Teamwird ebenfalls ein direkter Freistoß zugesprochen, […]

Elfmeter gibt es wegen des Zusatzes:

Strafstoß
Begeht ein Spieler des verteidigenden Teams eines der genannten zehn Vergehen im eigenen Strafraum, ist dies durch einen Strafstoß zu ahnden, vorausgesetzt, der Ball war im Spiel. Dabei ist unerheblich, wo sich der Ball zum Zeitpunkt des Vergehens befand.

Ähnliches spielte sich eine Woche zuvor ab, als Manuel Gräfe nach einem Zweikampf zwischen dem Stuttgarter William Kvist und dem angesprochenen Reus auf den Elfmeterpunkt zeigte. Nun war dieser Zweikampf zwischen dem aus Kopenhagen gekommenen Kvist und Reus streitbar, da ein ähnlicher Rempler von Reus vor dem Strafraum Kvist nicht dazu brachte, hinzufallen. Man kann diese Szene sicher 10 Fußball-Fans vorsetzen und man bekommt 12 verschiedene Aussagen zu dieser Situation. Fakt ist: Marco Reus hat in beiden Situationen enorm viel Tempo aufgenommen, bei dem auch leichte Berühungen ausreichen, aus dem Tritt zu kommen. Fakt ist aber auch: Reus verhält sich in beiden Situationen sehr clever und nutzt die Möglichkeit, die ihm der Gegenspieler bietet, geschickt aus.

Eine Schwalbe waren beide Situationen nicht und dennoch muss der kommende deutsche Nationalspieler aufpassen, kein Image des leicht fallenden angeheftet zu bekommen. Dann wird es erfahrungsgemäß schwieriger einen Elfmeter für sich zu bekommen. Das wäre schade, wenn dieses riesige Talent, dass vor zwei Jahren für geschätze 800.000€ von Rot-Weiß Ahlen kam und jetzt einen Marktwert im zweistelligen Millionenbereich hat, durch solche Szenen zukünftig benachteiligt wird. Einen fairen Sport wollen wir doch alle. Wobei dazu dann auch dazugehört, dass Marco Reus sich selbst immer wieder hinterfragt, in welchen Szenen er in Zukunft fällt. Allerdings ist der bodenständige Junge bisher nicht durch Übertreibung aufgefallen. Hoffen wir, dass es so bleibt.

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Seziert. Was die TSG Hoffenheim nicht beachtet hat.

Es ist das Thema Nr.1 in den Fußballmedien dieser Tage: Die Beschallungsaktion des Gästeblocks in der Rhein-Neckar-Arena. In der grundsätzlichen Bewertung ist man sich einig: Die Beschimpfungen gegen Dietmar Hopp sind genauso wenig tolerierbar, wie die Reaktion aus Hoffenheim. Doch was ist im DFB-Regelwerk eigentlich zu diesem Fall zu finden? In wessen Zuständigkeitsbereich fällt die mobile Beschallungsanlage?

An dieser Stelle werde ich mich an der aktuellen Stellungnahme der TSG Hoffenheim orientieren. Zum derzeitigen Zeitpunkt scheint mir die Glaubwürdigkeit dieser Stellungnahme nicht sehr hoch, doch arbeiten wir doch einfach mal damit. Die Kurzfassung:

Nach Angaben der TSG Hoffenheim stellte sich ein Einzeltäter der Polizei, der das von ihm konstruierte Gerät in mindestens 5 Fällen zum Einsatz brachte. Die Geschäftsführung, der Präsident und der Mäzen Dietmar Hopp selbst wussten nichts von der Existenz dieser Anlage.

Nun sind in den weiteren Medienberichten dieser Tage weitere Details aufgetaucht, die aber noch nicht verifiziert scheinen. Zum einen die Mittäterschaft eines zweiten Hausmeisters (zumindest scheint dies der Beruf des Mitarbeiters zu sein), zum anderen die Tatsache, dass dieses Gerät mit einem 60-Meter-Kabel und einem angeschlossenen Laptop betrieben wurde.

Viel besprochen, doch meines Wissens nach nicht zitiert wurde bisher das “Beschallungsverbot”. In den “Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen” (PDF) des DFB heißt es zur Beschallung (den Geltungsbereich lasse ich an dieser Stelle außen vor):

§ 13
Beschallungseinrichtungen
1. Die Platzanlage ist mit einer Beschallungseinrichtung auszustatten. […]                                                                                                                                 3. Im Stadion eingesetzte mobile Beschallungsanlagen müssen sowohl vom
Stadionsprecher als auch über die Vorrangschaltung der Polizei abgeschaltet werden können.

Punkt 3 ist nur insoweit interessant, sollten entgegen der Stellungnahme der TSG mehrere Menschen in die Beschallung eingeweiht gewesen sein. Der Leiter des Dortmunder Fanprojektes Thilo Danielsmeyer sagt dazu in der Stellungnahme:

dass ihm die Anlage schon vor Spielanpfiff durch Ordnungsdienst und Polizei gezeigt und Aufgabe und Funktionsweise erklärt wurden. Zumindest alle Beteiligten im Bereich des Gästeblockes mussten also gewusst haben, was dieses Gerät bewirkt und wofür es eingesetzt wurde.

Stimmt dies, hätten wir den ersten Verstoß gegen Durchführungsbestimmungen. Oder besaß die Polizei eine Vorrangschaltung für die selbstgezimmerte, mobile Beschallungsanlage des TSG-Mitarbeiters? Wohl kaum…

Allgemein wird zu der Beschallung in einem vorstehenden Punkt der Durchführungsbestimmungen genauer Bezug genommen:

§ 9
Stadionbeschallung und Anzeige-/Videotafel
Der Einsatz von Beschallungsanlagen ist zur Information und Unterhaltung der Stadionbesucher sowie zur Vermittlung von Werbebotschaften gestattet.
Der Einsatz dieser Medien hat so zu erfolgen, dass der sportliche Verlauf des Spiels nicht beeinträchtigt wird, Spieler und Schiedsrichter/-Assistenten nicht gestört oder irritiert werden und das Fair-Play-Gebot, insbesondere gegenüber der Gastmannschaft, deren Spielern und Offiziellen, Beachtung findet. […]                                                                                                                             Die Stadionbeschallung darf vor und nach dem Spiel sowie in der Halbzeitpause uneingeschränkt zum Einsatz gebracht werden. Während des laufenden Spiels darf sie ausschließlich zum Zwecke der Bekanntgabe wesentlicher spielbezogener Informationen für die Stadionbesucher, z. B. Ein- und Auswechslungen, genutzt werden. Ausgenommen davon sind Spielunterbrechungen nach Torerfolgen, bei welchen auch kurze Unterhaltungselemente, z. B. Musikeinspielungen, möglich sind.
Zwischen-, Halbzeit- und Endergebnisse anderer Spiele dürfen bekannt gegeben werden. Eine Kommentierung ist untersagt. […]

Nun ist, obwohl in der offiziellen Stellungnahme der Begriff “Beschallung” nicht explizit genannt wird, unfraglich, dass es sich bei der Anlage um eine mobile Beschallungsanlage handelt, sodass es kaum möglich sein wird, diesen Punkt abzustreiten. Die strafrechtliche Komponente wird aus logischem Grund hier nicht aufgeführt. Dennoch finden sich auch hier eindeutige Verstöße gegen die Richtlinien.

Kommen wir zu: 3. Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen.

§ 2
Aufgaben und Zuständigkeiten
[…] 2. Es ist Aufgabe des Vereins, alle zumutbaren Maßnahmen zu treffen oder auf diese hinzuwirken, die geeignet oder erforderlich sind, die Sicherheit bei der Durchführung von Bundesspielen auf der von ihnen genutzten Platzanlage zu gewährleisten. Der Verein ist für das Verhalten aller Personen verantwortlich, die in seinem Auftrag bei der Organisation der Bundesspiele mitwirken.
3. Soweit der Verein aus eigenem Recht keine Befugnis besitzt, die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen selbst anzuordnen und gegebenenfalls
durchzuführen, hat er bei den zuständigen Stellen auf deren Realisierung
hinzuwirken. Werden die vom Verein für erforderlich gehaltenen Sicherheitsmaßnahmen nicht durchgeführt, so hat er dem DFB und/oder der DFL zu berichten.
4. Die Rechte und Pflichten der zuständigen Stellen des privaten und öffentlichen Rechts (z. B. Platzanlagenbetreiber, Ordnungsamt, Polizei, Feuerwehr) bleiben davon unberührt.

Der fett markierte Teil ist für den DFB von zentraler Bedeutung. Es ist für die TSG also nicht möglich sich auf die Taten eines Einzeltäters zu berufen, da der Verein für diesen Mitarbeiter verantwortlich ist.

Interessant wird der folgende Punkt: III. Organisatorische/betriebliche Maßnahmen.

§ 17
Grundsatz
Der Verein ist verpflichtet, alle organisatorischen und betrieblichen Maßnahmen zu treffen, die geeignet und erforderlich sind, Gefahren für die Platzanlage, die Zuschauer und den Spielbetrieb vorzubeugen sowie diese bei Entstehen abzuwehren.
§ 18
Zusammenarbeit Verein/Sicherheitsträger, Sicherheitsbeauftragter
1. Der Verein ist verpflichtet, einen Sicherheitsbeauftragten zu benennen und diesen mit der Wahrnehmung aller Sicherheitsaufgaben zu betrauen.
2. Dem Sicherheitsbeauftragten obliegt es insbesondere,
außergewöhnliche sicherheitsrelevante Ereignisse vor, während und nach den Bundesspielen zu erfassen, auszuwerten und dem DFB und/oder der DFL mitzuteilen,
[…]                                                                                                                                § 20
Veranstaltungsleitung
1. Der Verein hat bei Bundesspielen einen Veranstaltungsleiter einzusetzen,
welcher während der Veranstaltung ständig anwesend sein muss.
2. Der Veranstaltungsleiter ist verpflichtet, ständigen Kontakt zu den Sicherheitsträgern, insbesondere zur Polizei, zu halten.
3. Der Veranstaltungsleiter hat dafür zu sorgen, dass ihm Personen zur Seite stehen, die mit der technischen und baulichen Ausstattung der Platzanlage vertraut sind und erforderlichenfalls die notwendigen Maßnahmen unverzüglich einleiten bzw. durchführen können

Vom Sicherheitsbeauftragten oder der Veranstaltungsleistung war seit diesem Vorfall keine Stellungnahme zu finden, wie es in ihrem Arbeitsbereich bereits 5x zum unbemerkten Einführen der mobilen Beschallungsanlage kommen konnte, ohne dass sie von Unterstellten (wie dem Ordnungsdienst) darauf aufmerksam gemacht werden, es selbst feststellen und/oder etwas dagegen unternehmen. Die Rolle des Sicherheitsbeauftragten und der Veranstaltungsleitung muss vom DFB auf jeden Fall näher untersucht werden. Eine Veranstaltungsleitung, und vor allem ein Sicherheitsbeauftragter, an dem solche Vorgänge komplett vorbeigehen, hat nicht nur seinen Beruf verfehlt, sondern stellt zudem ein enormes Sicherheitsrisiko für die Besucher der Rhein-Neckar-Arena dar. Der Fantasie, was dieser Mitarbeiter noch alles unbemerkt in das Stadion hätte schmuggeln können, ist kaum eine Grenze gesetzt.

Etwas umfangreicher wird das Ganze dann, wenn man die Aufgaben des Ordnungsdienstes betrachtet, der den Mitarbeiter der TSG ebenfalls gewähren ließ oder – sollte der unwahrscheinliche Fall eingetreten sein, dass der Mitarbeiter (die Mitarbeiter) unbemerkt den Gästeblock beschallt haben – seine Aufsichtspflicht komplett vernachlässigte. Hier nur kurz ein paar Kernpunkte:

§ 26
Ordnungsdienst
1. Mit Öffnung der Platzanlage ist die Ordnung zu gewährleisten und aufrecht zu halten. Dies gilt auch für die Durchsetzung aller in diesen Richtlinien enthaltenen Verpflichtungen.
2. Zur Wahrnehmung der in Absatz 1 genannten Aufgaben ist ein Ordnungsdienst einzusetzen, […]                                                                            5. Als zuverlässig gelten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsdienstes nur, wenn sie […] überprüft und für die Aufgabe als unbedenklich festgestellt worden sind.
6. Als geeignet gelten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsdienstes nur, wenn sie […] ausreichend über ihre Rechte, Pflichten sowie Aufgaben, Abläufe und die wesentlichen Problemfelder während eines Fußballeinsatzes unterrichtet worden sind […]                                                                                                      7. Soweit der Verein die Ordnungsdienstaufgabe von einem gewerblichen
Unternehmen durchführen lässt, ist ein Vertrag zu schließen. […]

Kurzer Einschub: Sollte die TSG also einen Unternehmen mit dem Ordnungsdienst beauftragt haben, könnte man zumindest an dieser Stelle die Verantwortung abschieben. Ein kleiner Hoffnungsschimmer? Nun, weiter gehts:

[…] 9. Der Ordnungsdienstleiter und die Ordnungsdienstkräfte sind für die
betrieblichen Sicherheitsmaßnahmen verantwortlich.
10. Der Ordnungsdienst hat im Wesentlichen folgende Aufgaben wahrzunehmen […]                                                                                                    – Wegnahme, Lagern und gegebenenfalls Wiederaushändigen von
Gegenständen, die nach rechtlichen Vorschriften oder nach der
Stadionordnung nicht mitgeführt werden dürfen;
[…]                                                                                                                                 – Meldung strafrechtlich relevanter Sachverhalte an die Polizei;
– Meldung sicherheitsrelevanter Sachverhalte an die Polizei, an die
Rettungsdienste, an die Feuerwehr und an andere betroffene Institutionen,
soweit die Gefahren vom Ordnungsdienst nicht sofort beseitigt
werden können oder dürfen (z. B. Schwingungserscheinungen bei den
Tribünen).
11. […] Entsprechende Führungskräfte sind einzusetzen. […]

Wir haben jetzt also die Veranstaltungsleitung, den Sicherheitsbeauftragten und den Ordnungsdienst, die einen ganzen Haufen Verstöße gegen die Durchführungsbestimmungen des DFB begangen haben. Nun stellt sich die Frage, welche Auswirkungen das für die TSG Hoffenheim haben kann? Auch dazu gibt es etwas in den Durchführungsbestimmungen:

V. Schlussbestimmungen
§ 33
Ordnungsvorschrift
Für den Fall, dass die baulichen, technischen, organisatorischen und betrieblichen Anforderungen an die Nutzung einer Platzanlage diesen Richtlinien nicht entsprechen und daraus dauernde schwerwiegende Sicherheitsbeeinträchtigungen zu erwarten sind, kann die Platzanlage nach vorherigen Androhungen für Bundesspiele gesperrt werden.

Nun ist durch diese riesige Lücke im Sicherheitssystem (nichts anderes hat die TSG Hoffenheim in ihrer Stellungnahme offenbart) genau diese Sicherheitsbeeinträchtigung zu erwarten. Oder lassen sich die oben aufgezählten Versäumnisse bis zum nächsten Heimspiel beseitigen? Nun wird es, sollte es überhaupt zu einer Androhung der Platzsperre kommen, auf eine Befreiung hinauslaufen:

§ 34
Befreiung
1. Von den einzelnen Vorschriften kann in begründeten Ausnahmefällen unter Berücksichtigung der jeweiligen Gegebenheiten Befreiung erteilt werden. Die Befreiung kann nur auf Antrag des Platzvereins erteilt werden. Der Antrag ist zu begründen.
Zuständig ist die DFB-Kommission für Prävention und Sicherheit. Bei
Anträgen der Vereine der Lizenzligen soll eine Abstimmung mit der DFL
stattfinden.

Es schießt weit über das Ziel hinaus, jetzt Platzsperren, Geisterspiele und Punktabzüge zu fordern. Je länger man über die Stellungnahme der TSG nachdenkt, desto unwahrscheinlicher wird sie und die Beteiligung so einiger Personen im Verein mehr ist die logische Konsequenz aus den Tatsachen und Vermutungen. Also ist die vorherige Aufzählung der Regularien eigentlich recht sinnlos? Fast, denn immerhin zeigt sie auf, dass die Version, die der Klub aus Sinsheim offiziell ausgibt, dennoch so einige Verfehlungen beinhaltet, vor denen sich auch der DFB nicht verschließen kann und in der Konsequenz deutlich genauer auf die Einhaltung seiner Durchführungsbestimmungen achten muss. Welche Strafe die TSG erwartet, wage ich natürlich auch nicht zu progostizieren, ganz ohne Maßregelung darf der Verein aber in keinem Fall davonkommen.

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Der 2. Spieltag: Ganz schön pfiffig

Entschuldigt diesen grausamen Titel für den 2. Spieltag. Ich habe mich entschieden den “Pfiff der Woche” weniger Struktur zu verleihen und stattdessen, wenn sich kein gesonderter Pfiff aufdrängt, einfach mal ein paar Eindrücke und Entscheidungen kurz anzureißen. Heute dabei: Handspiel auf Schalke, Elfmeter für Reus, das Pfeifen im Gästeblock.

Was war fragwürdig?

Der Elfmeter für Schalke 04 kurz vor der Pause zum Ausgleich. Eine enorm harte Entscheidung, da der Kölner Kevin McKenna aus sehr kurzer Entfernung angeköpft wird. Sicherlich ist seine Armhaltung merkwürdig , ob unnatürlich ist schwer zu beurteilen. Schiedsrichter Guido Winkmann hätte in diesem Fall besser daran getan, nicht auf Strafstoß zu entscheiden. Eine grenzwertige Entscheidung, die wohl die Wendung in einem bis dahin (zumindest vom Zwischenstand her) engen Match bedeutete. Aber der 1. FC Köln tut gut daran, sich nicht an dieser Szene aufzuhängen. Das würde die Auflösungserscheinungen in der zweiten Hälfte mehr als verdecken.

Der Elfmeter für Borussia Mönchengladbach im Spiel gegen den VfB Stuttgart. Der Däne Kvist kommt mit Anlauf in den Zweikampf mit Marco Reus. Diesen durchaus heftigen Körpereinsatz nimmt dieser allerdings gerne entgegen und holt den Elfmeter raus. Sehr hart entschieden von Manuel Gräfe. Ähnlich wie in Gelsenkirchen ein “Kann”-Elfmeter, den ich eher nicht gegeben hätte.

Was lief nicht so gut?

Das nicht gegebene Tor von Patrick Helmes im Spiel des VfL Wolfsburg gegen den FC Bayern München. Als Linienrichter hat man es schwer, man muss in Sekundenbruchteilen eine Entscheidung fällen und selten macht man einem Linienrichter einen Vorwurf, wenn es wenige Zentimeter sind. Diesmal lag Robert Kempter aber komplett daneben. Unterstützung hätte er sich bei der Fünfmeterlinie holen können, die klar zeigt, dass Patrick Helmes nicht mal auf gleicher Höhe, sondern deutlich nicht im Abseits steht. Sehr ärgerlich für die Wolfsburger, die damit 1:0 in Führung gegangen wären.

Die Linie von Manuel Gräfe in Mönchengladbach. Erst sehr großzügig, als er weder Jantschke für sein Foul an Molinaro, noch Molinaro selbst für seinen bösen Ellbogeneinsatz gegen Reus verwarnte. Dann aber auf einen Schlag konsequent bei den persönlichen Strafen, dessen größtes Opfer Roel Brouwers war, der nach seinem zweiten Foulspiel mit gelb-rot vom Platz gestellt wurde. Allerdings vollkommen berechtigt, beide gelbe Karten waren absolut okay. Zwar war die Linie nicht spielentscheidend (wie es möglicherweise der fragwürdige Elfmeter war), aber schön anzusehen war es nicht.

Was war kurios?

1.FC Ingolstadt FSV Frankfurt. Ein Spiel, dass nicht so die große Aufmerksamkeit bekam, wurde Schauplatz eines recht kuriosen, weil seltenen, Wechsels: Schiedsrichterassistent Thomas Münch musste kurz nach der Pause nach einem Muskelfaserriss durch den Vierten Offiziellen Schmitt ausgetauscht werden. Nach 10minütiger Unterbrechung konnte das Spiel fortgesetzt werden. Mit Herrn Schmitt als Assistent des Schiedsrichters Martin Petersen (der im übrigen seine Zweitligapremiere feierte) und Herrn Münch in der Obhut der Ingolstädter Mannschaftsärzte. Gute Besserung an dieser Stelle!

Kurios sind auch die Geschehnisse vom Wochenende in Hoffenheim. Die Beschallung mit Tönen zur Überdeckung von Schmähgesängen aus dem Dortmunder Gästeblock wird diese Tage noch einige Wellen schlagen. Dessen bin ich mir sicher. Entscheidend für eine Bewertung ist, inwieweit die Hoffenheimer Verantwortlichen von dieser Anlage wussten. Handelt es sich um eine fiese Art Gästefans zum Schweigen zu bringen, oder um eine enorme Sicherheitslücke in der Rhein-Neckar-Arena. Darüber könnte es diese Woche an dieser Stelle noch mehr geben, wenn die TSG auf meine Anfrage geantwortet hat.

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Der 1. Spieltag. Einfach mal loben.

Der erste Spieltag der neuen Saison ist abgelaufen. Viel wurde an den Regeln in der Sommerpause nicht gewerkelt. Die Doppelbestrafung Rot + Elfmeter bei Notbremse im Strafraum bleibt ebenso bestehen, wie der Verzicht auf Torlinientechnologie. Was bleibt da noch über, wenn der einzige Streitpunkt des Wochenendes schon genug besprochen wurde? Vielleicht ein Lob.

Die Szene des Spieltages um Jan Schlaudraff und Thorsten Kinhöfer im Spiel der Hannoveraner gegen die TSG Hoffenheim wurde mittlerweile von allen Seiten besprochen und man ist sich allgemein einig, dass es sich um eine regelkonforme Entscheidung handelte, den Freist0ß direkt, ohne erneuerten Pfiff anzupfeifen. Verständlich ist die Kritik an der missverständlichen Handbewegung von Thorsten Kinhöfer aber dennoch. Wer die Szene etwas ausführlicher besprochen haben möchte, liest sich bspw. den Text von LizasWelt durch: Kuriosum um Kinhöfer. Davon ab möchte ich an dieser Stelle auch mal die Medien loben, die in diesem Fall in der Tat vernünftig berichteten (soweit ich das überblickt habe) und nicht an den Regeln vorbei argumentierten. Dass das nicht selbstverständlich ist, bewies die Berichterstattung zum Hinspiel der Relegation zwischen Borussia Mönchengladbach und dem VfL Bochum. Nicht selten wurden in diesem Fall die fast schon kruden Erklärungsversuche von Friedhelm Funkel aufgegriffen und die sieben Sekunden über der angezeigten Nachspielzeit als Fehlentscheidung ausgelegt. Aber das soll ja garnicht Thema sein…

Wenn man beim Loben ist, dann lob ich auch mal die Sky-Redaktion. Nein, nicht für die Idee Oliver Pocher eine halbwegs seriöse Sendung wie Samstag Live! moderieren zu lassen. Und auch erst recht nicht dafür, dass Stefan Effenberg nun Co-Kommentator im Topspiel Samstags Abends ist. Aber für die Idee mit dem Sky-Tisch, an dem mit Markus Merk ein mehrfacher Weltschiedsrichter sitzt, der ein bisschen Licht in die oftmals ahnungslose Reglement-Stocherei der Kommentatoren bringen dürfte.

Ein weiteres Lob geht an die Unparteiischen diesen Spieltag. In den Spielen, die ich gesehen hatte, waren alle Leistungen sehr positiv. Ob nun Dr. Felix Brych in Dortmund (gegen den HSV), Peter Gagelmann in Berlin (gegen den 1.FC Nürnberg) und auch der “Liebling” vieler Fans Babak Rafati, der bei der Münchener Auftaktniederlage gegen Borussia Mönchengladbach fehlerlos blieb und eine saubere Spielleitung hinlegte. Bleibt zu hoffen, dass er solche Leistungen in der Saison noch oft wiederholen wird. Frei von Fehlern wird er sicher nicht durch die Saison kommen, aber für Herrn Rafati selbst wäre es doch auch mal schön, wenn ihm beim nächsten Fehler nicht wieder alles um die Ohren fliegt.

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Bundesliga-Stöckchen 2011/12

So, hier ist es über die Sommerpause sehr ruhig gewesen, geplante Sommerlochfüller haben sich zerschlagen, über die Schiedsrichter der Frauen-WM wurde sowieso zu viel geschrieben, als dass sich ein Mehrwehrt durch ein erneutes Draufkloppen hier ergeben hätte.

Bevor es jetzt wieder in der Bundesliga losgeht, fange ich einfach mal ein Stöckchen auf, dass etwas Abseits der Schiedsrichterei steht:

Dein Verein heißt:

Borussia Mönchengladbach

Wie lautet das offizielle Saisonziel, sofern es bekannt ist?

Eine Saison im gesicherten Mittelfeld. Wenns passt, dann auch die 40 Punkte-Marke knacken.

Wie lautet DEIN Saisonziel für Deinen Verein? 

Ich erwarte eine deutlich ruhigere Saison, als die vergangene. Das Ziel sollte sein, sich so früh wie möglich von den gefährlichen Rängen abzusetzen. Das ist aufgrund des Auftaktprogramms nicht ganz einfach, zur Winterpause sollte aber ein vernünftiges Polster auf Platz 16 geschaffen sein, sodass die Saison am Ende bei ~40 Punkten im Mittelfeld der Liga ausläuft.

Welchen Spieler hätte Deine Mannschaft in der Pause lieber nicht abgegeben?

Alle Abgänge waren Ergänzungsspieler, oder Spieler ohne weitere Perspektive. Wenn überhaupt, hätte ich auf die Ausleihe von Bamba Anderson verzichtet, um bei einer ähnlichen Verletzungsseuche wie in der letzten Saison einen vierten Innenverteidiger zu haben. Aber auch das kann durch andere Spieler zur Not aufgefangen werden, sportlich ist es für Bamba sicher der bessere Weg.

Welchen Spieler hätte Deine Mannschaft besser verkaufen sollen?

Das Leihgeschäft mit Michael Bradley ist sehr unglücklich gelaufen, hoffentlich findet sich bis zum 31.08. noch ein Abnehmer, sodass man im Zentralen Mittelfeld noch mal nachlegen kann.

Wen hätte Deine Mannschaft diese Saison lieber NICHT gekauft?

Gekommen sind außer dem schwedischen Nationalspieler Oscar Wendt nur junge Perspektivspieler, die allesamt Potential haben und den Druck auf die Stammelf erhöhen. Ich kann also alle Einkäufe nachvollziehen.

Wer von den neuen Spielern wird Deiner Mannschaft am besten helfen?

Da Oscar Wendt in der Vorbereitung nicht an Filip Daems vorbeigekommen ist und Matthias Zimmermann noch nicht an Tony Jantschke, rechne ich auch in der Saison mit dem Überraschungsspieler der Saisonvorbereitung: Lukas Rupp. Aufgrund seiner Polyvalenz Vielseitigkeit ist er mittlerweile wohl die erste Alternative für nahezu jede Position im Mittelfeld. Im Pokal (und vielleicht auch am ersten Spieltag) als Platzhalter für Juan Arango, aber er kann genauso gut im rechten Mittelfeld, die offensive Position in der Doppelsechs oder auch den hängenden Stürmer geben. Wenn er körperlich etwas zugelegt hat, könnte Rupp eine der Überraschungen der Saison werden.

Wie wirst Du in dieser Saison Deine Mannschaft unterstützen?

Aufgrund 400km Entfernung zum Borussia-Park wird es schwer bei vielen Heimspielen dabei zu sein. Auswärtsspiele in der Umgebung nehme ich mit (Wolfsburg, Hannover, Bremen, Hamburg), den Rest verfolge ich bei Sky.

Wie findest Du das neue Trikot Deiner Mannschaft?

Gefällt mir durchaus gut. Das Graphitgrau mit neongrünen Streifen ist was Neues und weiß zu gefallen. Leider stört immer noch der gelbe Postbank-Balken, den man aber aufgrund der jährlichen 4,5 Millionen € aber verschmerzen kann.

Welcher Stürmer wird die Torjägerkanone holen?

Gomez wiederholt das Vorjahr.

Welcher Trainer wird als erstes gefeuert?

Dieter Hecking wird es schwer haben. Ohne Gündogan, Ekici und Schieber rechne ich mit einer schweren Saison. Geht der Saisonstart schief, wird Nürnberg reagieren. Auch wenn Hecking ein Fachmann ist.

Welche Mannschaft wird das erste Tor der Saison schießen?

Der HSV.

Welche Mannschaften SOLLTEN absteigen?

Augsburg darf gerne wieder Platz machen, zudem würde ich mich über einen Mainzer Abstieg nicht beschweren.

Welche Mannschaft wird Meister?

Bayern München.

Wenn Du nicht im Stadion bist, wo wirst Du die Spiele sehen?

Zu Hause, Sky.

Wie sehr vermisst Du die Bundesliga auf einer Skala von 1 bis 10 – wobei bei 1 so ziemlich keine Träne nach der Bundesliga verdrückt wird und 10 quasi bedeutet, daß Du ernste Entzugserscheinungen hast?

Ich hab das Gefühl, dass sich ein Großteil meiner Energien für Bundesligafußball in den letzten Spielen der letzten Saison aufgebraucht worden sind. Wirklich euphorisch gehe ich nicht in die Saison. Selbst einen Tag vor Saisonbeginn pendeln meine Entzugserscheinungen bei 4-5. Wobei ich ja auch eine fast 2 Wochen längere Saison hatte, dank der Relegation…

Wird es eine spannende Saison für Deine Mannschaft?

Nach der letzten Saison bin ich mit Spannung erstmal genug versorgt. Die Saison darf gerne so langweilig wie möglich werden.

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„Liebe Männer in Schwarz: ich beneide euch wirklich nicht!“ – Stadionsprecher Torsten Knippertz im Interview

Torsten “Knippi” Knippertz (*19.Juni 1970 in Mönchengladbach) ist Moderator, Schauspieler und seit 2006 wieder Stadionsprecher von Borussia Mönchengladbach. Im Interview mit Abpfiff gibt er einen Einblick in seine Arbeit und natürlich seine Erfahrungen mit Schiedsrichtern.

Abpfiff: Herr Knippertz, Sie, gebürtiger Gladbacher, sind Sie ein fester Bestandteil von Borussia, müssten als Stadionsprecher bei mittlerweile über 100 Heimspielen mitgewirkt haben:  Wie schwer viel es Ihnen während der langen Serie ohne Heimsieg diese Saison dennoch weiter optimistisch auf dem Rasen zu stehen und die Fans auf den Rängen anzuheizen?
Torsten Knippertz: Ich gebe zu, dass es manchmal nicht ganz einfach ist den – mir eigenen – Optimismus zu verbreiten oder übertragen. Ich muss allerdings auch sagen, dass ich tatsächlich (nicht erst jetzt vor dem letzten Spieltag) immer daran geGLAUBT habe, dass die Mannschaft das Zeug hat, das Unmögliche möglich zu machen und geHOFFT, dass sie das auch zeigt! Deshalb fällt (oder fiel) mir das Anheizen nicht so schwer, wie es vielleicht von Außen aussieht. Ich kann halt auch nur mein Bestes geben. Auch in dem Glauben, dass es echt nur geht, wenn möglichst viele daran glauben und nicht direkt die Flinte ins Korn werfen, wenn es bei dem ein oder anderen Spiel nicht direkt so läuft, wie erhofft. Und ich weiß außerdem auch gar nicht, wie groß der Einfluss als Anheizer tatsächlich ist. Das meiste kommt – glaube ich – durch die Fans selbst als Eigendynamik in der Kurve. Oder eben als Antwort auf das, was auf dem Platz geschieht. Ich habe zum Beispiel im Borussia Park noch nie eine so geile Stimmung erlebt, wie beim 1.Relegationsspiel gegen Bochum. Das war gänsehautmäßig!

Abpfiff: Auch Abseits der sportlichen Lage gibt es bei Borussia derzeit Unruhe von außen. Die „Initiative Borussia“ hat Satzungsänderungen eingereicht und will mit Stefan Effenberg als Galionsfigur den Präsidenten Rolf Königs und Sportdirektor Max Eberl stürzen. Wollen (und dürfen sie sich als Angestellter von Borussia) Sie sich dazu näher äußern? Wie bewerten Sie die Situation vor der Jahreshauptversammlung?
Torsten Knippertz: Also erstmal muss ich vorwegschicken, dass ich ja nicht fest bei Borussia angestellt bin und selbst wenn ich es wäre , dürfte ich mich natürlich äußern. Kann ja keiner verbieten.
Was die Situation betrifft, denke ich, dass sich durch die Entwicklung und Geschehnisse in letzter Zeit eh jeder sein eigenes Bild macht oder schon gemacht hat und dann dementsprechend bei der JHV am Sonntag (vorausgesetzt er/sie ist stimmberechtigt) abstimmen wird.  Ich selbst fands teilweise fast schon satirisch.  „Offensive“ , „Initiative“
eigentlich hab ich darauf gewartet, dass man auch noch von der „Defensive“ oder „Primitive“ hört…                                                                                                                         Nein im Ernst: Ich selbst bin immer für konstruktive Kritik und der Suche nach gemeinsamen Lösungen, so schwierig das manchmal auf den ersten Blick auch sein mag. Dazu gehört vor allem aber auch eine sachbezogene Diskussion über Inhalte.

Abpfiff: Bei der WM in Südafrika, aber auch im Verlauf dieser Bundesligasaison wurden die Schiedsrichter oft kritisiert. Man hat den Eindruck, dass die Leistungen schwächer geworden sind. Sehen Sie das auch so und haben ggf. eine Erklärung dafür?              Torsten Knippertz: Ich glaube nicht, dass die Schiedsrichter prinzipiell schwächer geworden sind. Allerdings denke ich, dass Fußball vor allem in der 1.Bundesliga (und natürlich international) mittlerweile so schnell geworden ist, dass zwangsläufig einfach mehr Fehler passieren. Wie heißt es so schön? Irren ist menschlich und wenn den Schiedsrichtern keine (technischen) Hilfsmittel an die Hand gegeben werden wird sich an der Fehlerquote auch nichts ändern. Im Gegenteil. Die Entwicklung im Fußball, was die Dynamik betrifft, ist so rasant, dass man in den nächsten Jahren meiner Meinung nach gar nicht mehr drumrum kommt, etwas zu ändern.                                                                       Klar liebe ich es auch, emotional nach einem Spiel über strittige Szenen zu diskutieren. Allerdings geht es halt im professionellen Fußball mittlerweile um so viel Geld, dass man diesen Aspekt wohl nicht mit Tradition und dem Hinweis „der Fußball lebe doch von solchen Diskussionen“ verklären darf. Die Dummen sind in dem Fall leider nicht nur die Vereine, die unter den Fehlentscheidungen leiden sondern vor allem und hauptsächlich die Schiedsrichter. Die Vereine haben ja immerhin die Möglichkeit auch mal von Fehlentscheidungen zu profitieren, so dass es sich am Ende der Saison tatsächlich ausgleicht (naja , vielleicht nicht immer ganz ;)). Bei den Schiris werden aber einfach alle Fehlpfiffe zusammengezählt und da kann man nix durch einen richtigen Pfiff wieder ausgleichen.                                                                                                                                        Also liebe Männer in Schwarz: ich beneide euch wirklich nicht! (Von diversen „Rote Karte“- Regeln oder vom passiven Abseits will ich jetzt gar nicht erst anfangen…)

Abpfiff: Auch im Borussia-Park gab es diese Saison eine Menge strittige Szenen. Gibt es da spezielle Anweisungen oder Verhaltensrichtlinien vom DFB oder von Borussia, wie man sich als Stadionsprecher bei Fehlentscheidungen verhalten soll und wie sehen die ganz allgemein aus?
Torsten Knippertz: Also erstmal gibt es den Hinweis, dass man z.B. auf den Videoleinwänden strittige Szenen nicht sofort einblenden und wiederholen soll und außerdem darf man als Stadionsprecher natürlich das Publikum nicht anstacheln oder aufwiegeln. Außerdem gibt es natürlich immer direkte Absprachen mit den Schiedsrichtern, wenn in einem Spiel z.B. Feuerzeuge o.ä. auf Feld geworden werden, dass man dann sofort eine Durchsage macht.

Abpfiff: Sehen Sie während des Spiels die Wiederholung strittiger Szenen? Wie schwer fällt es dann, die Verhaltensregeln des DFB auch einzuhalten?                                         Torsten Knippertz: Nein. Während des Spiels sehe ich selbst die Szenen nicht, bekomme allerdings auf spezielle Nachfrage bei den Kollegen vom Fohlen TV, die in der Stadionregie sitzen oder den anderen Kollegen vom Fernsehen mitgeteilt, ob es eine Fehlentscheidung war oder nicht.

Abpfiff: Mussten Sie sich schon mal auf die Zunge beißen, oder haben sich sogar schon mal verplapptert und den Unmut der Fans im Stadion dadurch vergrößert?            Torsten Knippertz: Oh ja. Da fällt mir eine ganz spezielle Partie ein. Die Aufstellung des Gegners präsentieren wir im Borussia Park ja immer vor der Kurve der gegnerischen Fans, die wir natürlich auch immer begrüßen. Bei diesem Spiel war es so, dass ich schon beim Gang zur Kurve von so vielen Mittelfingern begrüßt wurde, wie ich sie im Leben noch nicht gesehen habe. Als ich dann die Aufstellung mit dem Rücken zur Kurve vorlas, flogen auch tausend Sachen an mir vorbei. Feuerzeuge, Papierkugeln, Mandarinen, Becher. Alles allerdings an mir vorbei. Da hab ich für einen kurzen Moment mit dem Gedanken gespielt mich umzudrehen und zu sagen: „Wenn eure Stürmer genauso schlecht treffen wie ihr, mach ich mir keine Sorgen!“ Ich hab es mir dann aber aus Rücksichtnahme auf unsere Ordner verkniffen. Ich glaube die hätten in dem Fall einiges zu tun bekommen…Das gibts sowieso häufiger, dass der Fan in mir gerne böser sein würde, die Stadionsprecherseite dann aber immer an die Sicherheit denkt. So´n bisschen wie Engelchen und Teufelchen auf der Schulter…

Abpfiff: Welche Schiedsrichter stachen Ihrer Meinung in dieser Bundesligasaison positiv oder negativ heraus?                                                                                                              Torsten Knippertz: Oh… da bin ich überfragt. Das verfolg ich nie so. Ich meine aber, dass ich in einem Spiel total positiv überrascht von einem Schiri war , der fast alles richtig gepfiffen hat und das, obwohl wir verloren haben. Ich glaube, das war Florian Meyer. Aber wie gesagt: Sicher bin ich mir nicht mehr. Ich bin auf jeden Fall nach dem Spiel hin und habe zur Leistung gratuliert.

Abpfiff: Die Einführung von technischen Hilfsmitteln wird gerade durch die Fehlentscheidungen diese Saison wieder heftig diskutiert. Wie stehen Sie dazu? Der Chip im Ball oder doch Torrichter wie in der Europe-League?                                              Torsten Knippertz: Wie oben schon erläutert: Ich denke , dass sich auf jeden Fall was tun muss. Im Hinsicht auf mehr Arbeitsplätze würd ich sagen: Torrichter, ansonsten bin ich wohl eher für Chip im Ball und Chips auf der Couch…

Abpfiff: Revolutionär wäre sicher ein Videobeweis, der in naher Zukunft auch unrealistisch ist. Könnten Sie sich die nachträgliche Bewertung von strittigen Szenen (egal in welcher Form, z.B. als eine Art Challenge wie im Eishockey) allgemein für den Fußball vorstellen?                                                                                                                              Torsten Knippertz: Ja. Kann ich.

Abpfiff: Hätten Sie zum Abschluss noch eine kleine Anekdote, die Sie mit einem Schiedsrichter erlebt haben, für uns?
Torsten Knippertz: Also zu meiner aktiven Zeit in der hab ich mal ´nem Schiri die gelbe Karte gezeigt, die dieser verloren hatte. Der hats aber mit Humor genommen. Gibts ja auch welche, die da keinen Spaß verstehen. Ansonsten hab ich mich mit den Schiris eigentlich immer gut verstanden. Ich bin zwar (auch jetzt noch) während eines Spiels immer ziemlich emotional und da fallen auch schon mal Worte, die ich in Alltagssituationen nicht wählen würde. Ich hatte und hab allerdings auch nie ein Problem mich dann entweder direkt oder nach dem Spiel zu entschuldigen. Oh, da fällt mir noch eine Szene ein. 23. Spieltag in unserer letzten Abstiegssaison und Nando Rafael macht in der letzten Sekunde gegen Werder Bremen das 2:2 Ausgleichstor. Ich bin wie ein Irrer aufgesprungen und hab so gejubelt, dass ich gar nicht gemerkt hab, dass ich fast am 16er auf dem Spielfeld stand (na ja, fast…) Und auf einmal hör ich nur , wie der vierte Offizielle mich total anschreit, ich solle sofort wieder zurückkommen… Der fand das überhaupt nicht komisch und meinte auch nach dem Spiel, dass er sich noch überlegen müsse, ob er einen Eintrag im Spielbericht macht. Hat er aber dann nicht.

Abpfiff: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für ihre Projekte mit und ohne Borussia!

Mehr zu Torsten Knippertz erfahren Sie auf http://www.knippi.de.

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Das wird sich schon Regeln (2) – Die Relegation

34 Spieltage vorbei und dennoch ist die Saison für vier Teams aus den ersten drei Ligen noch nicht beendet. Borussia Mönchengladbach, der VfL Bochum, der VfL Osnabrück und Dynamo Dresden dürfen, bzw. müssen nachsitzen. Alles Wissenswerte auf einen Blick:

Relegation? Was ist das überhaupt? In der Relegation tritt der Tabellen-16. der oberen Liga gegen den 3. der darunter liegenden Liga an und darf seinen Platz in der Liga verteidigen. Diese Regelung wurde zur Saison 2008/2009 wieder eingeführt. Zuvor stieg 18 Jahre lang auch der Drittletzte direkt ab. Die Wiedereinführung der Relegation wurde im Oktober 2009 bei einer Mitgliederversammlung der 36 Vereine und Kapitalgesellschaften des Ligaverbandes beschlossen. Nach dem 1. FC Nürnberg ist der VfL Osnabrück der zweite Verein, der nach Rückkehr der Relegation ein zweites Mal die beiden Entscheidungsspiele bestreitet.

Spielmodus: Es gibt Hin- und Rückspiel mit den gängigen Europacup-Regeln. Bei Torgleichheit nach zweimal 90 Minuten entscheiden die mehr geschossenen Auswärtstore. Sind auch diese gleich, geht’s in die Verlängerung (2x 15 Minuten). Ist dann immer noch kein Sieger ermittelt, entscheidet das Elfmeterschießen

Welche Mannschaft hat zunächst Heimrecht? Das Hinspiel im eigenen Stadion austragen muss/darf das Team, dessen letztes reguläres Saisonspiel länger zurückliegt. Das heißt in diesem Jahr, dass Borussia Mönchengladbach und Dynamo Dresden zunächst ein Heimspiel haben. Das Rückspiel findet in Bochum, bzw. Osnabrück statt, da der letzte Spieltag der zweiten Liga am Sonntag stattgefunden hat. Begründet wird diese Regelung damit, dass der Nachteil weniger Pause zwischen Ligabetrieb und Relegation zu haben, durch das Heimrecht im Rückspiel ausgeglichen wird.

Was passiert mit persönlichen Verwarnungen? Die Relegation gehört offiziell mit zur Saison, d.h. Sperren durch rote Karten werden genauso mit in die Entscheidungsspiele genommen, wie gelbe Karten. Auch eine gelbe Karte im Hinspiel kann Auswirkungen auf das Rückspiel haben, wenn es sich um die 5. bzw. 10. gelbe Karte der Saison handelt. Das betrifft für das Spiel am Donnerstag Marco Reus (9. gelbe Karten), Mo Idrissou, Sebastian Schachten (4, alle Mönchengladbach), Björn Kopplin, Marcel Maltritz, Andreas Luthe, Giovanni Federico (4, alle Bochum). Platzverweise haben natürlich für die folgende Saison Gültigkeit, Gelbsperren hingegen verfallen nach Ende der Saison.

Wer pfeift? Die beiden Relegationsspiele zwischen dem VfL Bochum und Borussia Mönchengladbach werden von Günter Perl (19.05 in Mönchengladbach) und Peter Gagelmann (25.05. in Bochum) geleitet. Manuel Gräfe und Thorsten Kinhöfer werden die Spiele zwischen Dynamo Dresden und dem VfL Osnabrück (20.05. und 24.05.) leiten.

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