Borussia Mönchengladbach – ein Treterklub?

Letzte Woche ist es bei Abpfiff ruhig gewesen, den wenigen aufregenden Szenen des 31. Spieltages schloss sich ein 32. Spieltag an, an dem es einfach wäre, wieder auf Deniz Aytekin zu schimpfen, dessen Performance dem 1.FC Köln wohl zum endgültigen Klassenerhalt verholfen hat. Stattdessen fangen wir nun früh mit einer Rückschau an:

Bereits 8 mal in dieser Saison wurde ein Spieler von Borussia Mönchengladbach des Feldes verwiesen. Sind die Spieler der früheren Fohlenelf also undiszipliniert und unfair, oder woher kommt diese hohe Zahl an Platzverweisen, die von den Medien und Kommentatoren so gerne als ein Grund für den Tabellenstand herangezogen werden? Schauen wir uns die Platzverweise einmal an:

5.Spieltag: Mo Idrissou sieht im Heimspiel gegen St.Pauli in der Schlussminute die gelb-rote Karte. Die TV-Bilder können keinerlei Vergehen nachweisen, noch eher wird er im Luftduell in den Rücken gestoßen. Nicht umsonst hat Borussia damals Protest gegen die Entscheidung von Deniz Aytekin eingelegt, auch wenn natürlich die Chancen nahezu 0 waren, eine Tatsachenentscheidung umzukehren.

6. Spieltag: Roel Brouwers Platzverweis war hingegen wenig diskussionswürdig. Borussia führt auf Schalke mit 2:1 als der Niederländer im Zweikampf gegen seinen Landsmann Klaas-Jan Huntelaar zu spät kommt und diesen mit den Stollen am Oberschenkel trifft. Rüde und nur mit sehr viel Wohlwollen von Peter Gagelmann hätte Roel Brouwershier mit einer gelben Karte davonkommen können.

8.Spieltag: Juan Arango im Auswärtsspiel gegen die TSG Hoffenheim: Der Venezolaner wird beim Stand von 1:1 in der 62. Minute von Sejad Salihovic regelwidrig bearbeitet, im Zweikampf in die Ferse getreten und fällt daraufhin hin. Arango verliert die Beherrschung und tritt dem Bosnier im Liegen in die Leiste. Tätlichkeit, Duschen, gerechtfertigte Rote Karte von Michael Weiner.

Gleiches Spiel, 20 Minuten Später. Sebastian Schachten bringt – wenn auch beunabsichtigt – Demba Baim Strafraum zu Fall, Elfmeter und streng den Regeln zu Folge auch eine Rote Karte. Solange über den Antrag des DFB diese doppelte Bestrafung abzuschaffen nicht entschieden ist, müssen wir damit leben und eben auch solche Platzverweise akzeptieren.

15. Spieltag: Der Argentinier Raul Bobadilla fliegt beim Spiel gegen Hannover 96 in der 42. Minute vom Feld, nachdem er Sergio Pinto an den Oberschenkel tritt. Eine Handlung, nachdem Pinto ihn die komplette bisherige Spielzeit behakelt hatte. Beim Stand von 1:0 für Borussia gab es aber keinen Grund für ihn, die Beherrschung so zu verlieren, nach der Entscheidung von Marco Fritz noch auf Pinto losgehen zu wollen und am Ende noch den 4. Offiziellen Christian Fischerzu beleidigen.

21. Spieltag: Thorsten Kinhöfer schickt Dante mit gelb-rot vom Platz. Eine sehr zweifelhafte Entscheidung, denn Dante spielt im Strafraum gegen Pavel Progrebnyak klar den Ball. Doppelt ärgerlich für Borussia, denn wenige Momente zuvor hat Mo Idrissouauf der anderen Seite einen regulären Treffer erzielt, der aberkannt wurde.

22. Spieltag: Eine Szene, die eine Fair-Playdebatte ins Rollen brachte. Igor de Camargo, gefoult von Matthias Lehmann, läuft auf diesen zu, berührt ihn aber nicht. Dennoch täuscht Lehmann vor, einen Kopfstoß bekommen zu haben. Wolfgang Stark entscheidet sich zum Entsetzen von Borussia für die rote Karte für de Camargo, der zu diesem Zeitpunkt einen Lauf hatte und in 4 der letzten 5 Spiele traf.

30. Spieltag: Mike Hanke wird von Deniz Aytekin vom Platz gestellt. Über diesen überzogenen Platzverweis, habe ich bereits an anderer Stelleberichtet.

Fazit: Die Hälfte der Platzverweise gegen Borussia waren unberechtigt. In der kicker-Fairplaytabelle würde Borussia ohne die 3 gelb-roten und einer roten Karte mit 66 Punkten im Mittelfeld der Liga stehen. Spekulativ, aber nicht unwahrscheinlich, dass auch in der Tabelle, die am Ende über Aufstieg und Klassenerhalt entscheidet, Borussia besser dastehen würde.

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Der Pfiff der Woche, 30. Spieltag 2010/11: Deniz Aytekin (FSV Mainz 05 – Borussia Mönchengladbach)

Nach den vielen Worten des Lobes für Deniz Aytekin nach seiner Leistung im Bierbecherwurf-Spiel von St.Pauli gegen Schalke 04 am 28. Spieltag hagelt es nun Kritik für seine schwache Leistung beim letzten Flutlichtspiel im Mainzer Bruchweg-Stadion. Nicht zum ersten mal fühlt sich Borussia Mönchengladbach benachteiligt.

Es wurde schon viel über das Spiel von Freitag und über Deniz Aytekin geschrieben (u.a. das Fan-Magazin Torfabrik.de findet in ihrem Einwurf „Beschissen“ deutliche Worte), sodass ich hier nicht nochmal die offensichtlichen Fehler von Freitag-Abend aufzählen muss. Was folgt ist eine Unglücksgeschichte zwischen dem Oberasbacher Internetunternehmer und dem Klub vom Niederrhein.

Der Fußballfan neigt dazu, einem Schiedsrichter jegliche Fähigkeiten abzusprechen, wenn sein Verein benachteiligt wurde, das wird in den folgenden Wochen oftmals vergessen, bis der nächste Schiedsrichter falsch entscheidet. Anders läuft die Geschichte mit Borussia Mönchengladbach und Deniz Aytekin ab:

Letzte Saison pfiff Deniz Aytekin zwei Partien mit Gladbacher Beteiligung, die beiden Auswärtsspiele in Hamburg (Endstand 2:3) und auf Schalke (Endstand 3:1), aus denen jedem Gladbach-Fan noch Szenen in Erinnerung geblieben sein werden. Beispielsweise die Notbremse von David Jarolim, die als Foulspiel von Tobias Levels gewertet wurde, oder das klare Aufstützen von Kevin Kuranyi vor dem 2:1 für Schalke 04.  Auch der kicker entschied sich für die Noten 5,5 und 4,5.                                                                              In dieser Saison setzte sich diese Unglücksserie weiter fort: Im Heimspiel Borussias gegen den FC St.Pauli gab Deniz Aytekin einen Kann-Elfmeter beim Zweikampf Roel Brouwers gegen Fin Bartels, übersieht auf der anderen Seite aber einen Kann-Elfmeter nach Handspiel von eben jenem Bartels im St. Pauli-Strafraum, sowie ein grenzwertiges Verhalten des Hamburger Schlussmanns Thomas Kessler gegen Raul Bobadilla. Zu guter Letzt wird Mo Idrissou in der Schlussminute mit gelb-rot vom Platz gestellt, weil er in einer – zugegeben – unübersichtlichen Szene während einer Spielunterbrechung geschubst wird. Nun folgte diesen Spieltag sein sehr unglückliches Auftreten beim Spiel gegen Mainz 05.

Was bedeutet das nun für Aytekin und Borussia? Ich möchte an dieser Stelle Herrn Aytekin keine Absicht unterstellen und kann mir keine bewusste Benachteiligung gegen Borussia vorstellen. Für mich bleibt Deniz Aytekin einer der besten Schiedsrichter, die wir diese Saison in der Bundesliga sehen. Das bestätigt auch der Blick auf den kicker-Notenschnitt von 3,15 nach dem 29. Spieltag, womit er auf Platz 6 aller Schiedsrichter liegt. Allerdings wird wohl niemand mehr glücklich, wenn es die Konstellation Borussia und Aytekin erneut geben sollte. An dieser Stelle hoffe ich auf das Fingerspitzengefühl des DFB, das Deniz Aytekin beim Platzverweis von Mike Hanke hat vermissen lassen, indem man auf eine erneute Ansetzung von ihm bei Borussia-Spielen verzichtet.

Ansonsten bleibt Borussia wohl nur der letzte Schritt, indem sie die öffentliche Überlegung von Rainer Bonhof, Aytekin als Schiedsrichter abzulehnen, in die Tat umsetzen.

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Das wird sich schon Regeln (1)

In einer neuen Kategorie wird sich „Abpfiff“ in unregelmäßigen Abständen kuriosen, merkwürdigen oder einfach wichtigen Regeln des Fußballsports nähern, die vielleicht nicht jedem Leser bekannt sind. Den Beginn machen die „Jenaer Regeln“ von 1896 – zumindest der bekannteste Teil.

Weit bevor es im Fußball moderne Stadien und Arenen gab, von denen im Stehen und Sitzen wunderbar auf das Geschehen auf den wunderbar gemähten Rasenplatz hinabgeblickt werden konnte, stellte sich für die Sportler die Frage: „Wo spielen wir?“ Allzu verständlich diese Frage, denn die britischen Studenten hatten zwar das Spielgerät und die Spielidee mit nach Deutschland gebracht, gepflegte Rasenflächen brachten sie aber logischerweise nicht mit – also ging man auf die mit Büschen, Sträuchern und Bäumen bewachsene Wiesen hinaus.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte man in den vielbewachsenen Oberauen von Jena genug davon, sich von wildwachsenden Sträuchern die schönsten Spielzüge zerstören zu lassen (wobei die Vorstellung eines hallenfußballesken Doppelpasses mit einer Eiche als Bande durchaus witzig erscheinen mag) und entschied sich, mit einer Regeln für besser bespielbare Plätze zu sorgen. Im Wortlaut heißt es:

»Der Spielplatz sei frei von Bäumen und Sträuchern und mit niedrigem Gras bewachsen. Das Spielfeld ist doppelt so lang als breit und muß eine zugfreie Lage haben.«

Soweit der wohl bekannteste Teil der Jenaer Regeln. Wenigen, selbst fußballinteressierten, Menschen dürfte bekannt sein, dass sich die Jenaer Regeln mit deutlich mehr als nur der Platzbeschaffenheit beschäftigen. Darunter fällt die Festlegung des rechteckigen Strafraums und sogar die wohl ersten persönlichen Strafen bei einem sportwidrigen Verhalten, sprich Foul.

PS: Leider war es mir vergönnt, die restlichen Bestandteile der Jenaer Regeln aufzutreiben. Weder beim DFB, der Kölner Sporthochschule noch bei den Jenaer Fußballklubs konnte oder wollte man mir (bisher) weiterhelfen. Auch das Internet hat bei über 100 Jahre alten Fußballregeln seine Grenzen erreicht. Wenn jemand Zugriff auf die Regeln hat oder auch Tipps, an wen ich mich sonst noch wenden könnte, darf gerne einen Kommentar hinterlassen.


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Der Pfiff der Woche, 28. Spieltag 2010/11: Deniz Aytekin (FC St. Pauli – Schalke 04)

Zum 7. Mal in der Bundesliga-Geschichte, erst zum 2. Mal wegen geworfenen Gegenständen, wird ein Spiel vorzeitig abgebrochen.  Schiedsrichter Deniz Aytekin sah keine Möglichkeit das Spiel weiterzuführen, nachdem sein Assistent Thorsten Schiffner von einem herabfliegendem Bierbecher getroffen wurde. Zurecht.

Auf der Uhr sind noch offiziell noch circa 3 Minuten zu spielen, der FC Schalke 04 führt beim Comeback von Ralf Rangnick gegen 9 St. Paulianer mit 2:0. Das Spiel ist entschieden, das Spiel muss man nur noch austrudeln lassen…                                              …aber dann trifft ein (halb)voller Bierbecher den Schiedsrichterassisten Thorsten Schiffner im Nackenbereich, der daraufhin zusammensackt. Deniz Aytekin, der ab diesem Jahr auch FIFA-Spiele leitet, bricht daraufhin völlig regelkonform und ohne Handlungsspielraum das Spiel ab. In den DFB-Regeln auf Seite 42 „Zusätzliche Erläuterungen des DFB“ heißt es bei Punkt 10:

„Ein Schiedsrichter kann ein Spiel abbrechen. Ein Spielabbruch sollte nur erfolgen,
nachdem alle zumutbaren Mittel, das Spiel fortzusetzen, erschöpft
sind. Gründe für einen Spielabbruch können beispielsweise Witterungsverhältnisse,
Einflüsse von außen wie Zuschauerausschreitungen, massive
Bedrohungen oder ein tätlicher Angriff gegen den Schiedsrichter oder sein
Team sein.“

Die Konsequenz aus diesem Spielabbruch wird das DFB-Sportgericht im Laufe der Woche ziehen. Die Spielwertung von 0:2 scheint ebenso sicher, wie eine empfindliche Geldstrafe für den FC St. Pauli, die diese Summe wohl dem zum Glück direkt überführtem Werfer anlasten werden. Darüber hinaus hat der FC St.Pauli wohl eine Platzsperre oder  mindestens ein Geisterspiel vor leeren Rängen zu erwarten.

Loben muss man Deniz Aytekin nicht nur für seine Entscheidung das Spiel abzubrechen, sondern ebenfalls für seine Spielleitung in einem kniffligen und hitzigen Spiel. In den „strittigen“ Szenen lag er fast ausnahmslos richtig. Die Platzverweise:

In der 67. Spielminute grätscht der schon mit Gelb verwarnte Jan-Philipp Kalla an der rechten Strafraumkante von hinten gegen Jefferson Farfan. Er trifft den Ball nicht, einzig und allein seinen Gegenspieler und kriegt völlig zurecht seine zweite Gelbe Karte. Ebenfalls frisch geduscht durfte sich Fin Bartels die letzten Minuten anschauen. 12. Minuten nach dem ersten Platzverweis zieht dieser ohne jegliche Rücksicht auf den heraneilenden Jefferson Farfan zentral 17 Meter vor dem Tor voll durch und wird völlig zurecht mit glatt Rot vom Platz gestellt. Weder durch „Er war einfach zu spät dran“, noch mit „Fingerspitzengefühl“ lässt sich hier eine Herausstellung des zweiten Hamburgers verhindern. Solche, von Frust geprägten, Fouls gehören nicht auf den Fußballplatz und sind ausnahmslos in dieser Härte zu bestrafen.

Eine weitere Szene, die die Gemüter erhitzt hat, war der vermeintliche Ausgleichstreffer zum 1:1 für St. Pauli. Freistoß aus dem Halbfeld, Max Kruse schießt den Ball ins linke obere Toreck: Treffer. Wenn nicht Halbtags-Polizist Fabian Boll wenige Zentimeter im Abseits gestanden hätte und mit seinem Sprung zum Ball Manuel Neuer irritiert hätte. Denn dadurch greift der passive Angreifer aktiv ins Geschehen ein: Abseits. Korrekt von Thorsten Schiffner erkannt und von Deniz Aytekin entschieden.

Einzig eine Szene in der 3. Spielminute hätte für Gesprächsstoff sorgen können, wäre das Spiel nicht so zu Gunsten von Schalke 04 verlaufen: Der von Felix Magath in die U23 versetzte und von Ralf Rangnick „reaktivierte“ Ex-Gladbacher und Ex-Münchner Alexander Baumjohann läuft nach einem Konter in den Sechszehner und wird dort von Timo Boll am Knöchel getroffen: Im Normalfall ein Elfmeter, in diesem denkwürdigem Spiel nur eine Randnotiz.

Das Fazit: Das Freitagsspiel hatte einiges zu bieten, Deniz Aytekin hat den Überblick behalten und war ein richtig guter Leiter in einem hitzigem Spiel. Würde es solch souveräne Spielleitung in jedem Spiel geben, würde „Abpfiff“ vermutlich gar nicht existieren. 😉

Nachtrag: Wie erwartet hat der DFB das Spiel mit 0:2 gewertet, Sanktionen gegen den FC. St. Pauli werden vermutlich im Verlauf dieser Woche bekannt gegeben.

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Der Pfiff der Woche, 27. Spieltag 2010/11: Felix Brych (Borussia Dortmund – Mainz 05)

Ein Gastbeitrag von Alex Feuerherdt:

Eine Menge Aufregung gab es in Dortmund um das späte Ausgleichstor der Mainzer: Hätten die Gäste, als Neven Subotic scheinbar verletzt am Boden liegen blieb, den Ball ins Aus spielen sollen? Hätte der Schiedsrichter die Partie unterbrechen müssen? Oder verlief alles regelkonform und im Rahmen des Fair Play?

Jürgen Klopp war außer sich: Wild gestikulierend und mit geschwollener Halsschlagader lief der Dortmunder Trainer nach dem Mainzer Tor zum 1:1 in der 88. Minute auf die Bank der Gäste zu und lieferte sich dort ein heftiges Wortgefecht mit seinem Kollegen Thomas Tuchel, bevor er schließlich – höhnischen Beifall klatschend – den Rückzug in seiner Coaching-Zone antrat. Was war geschehen?

Der Mainzer Florian Heller hatte dem Dortmunder Verteidiger Neven Subotic etwa 25 Meter vor dem Tor der Gastgeber den Ball aus kurzer Distanz versehentlich dorthin geschossen, wo es Männern gemeinhin am meisten weh tut. Subotic gewann dadurch zwar den Zweikampf, sackte anschließend allerdings vor Schmerz zu Boden und blieb dort erst einmal liegen. Das Leder gelangte derweil zum Dortmunder Mohamed Zidan, der es an der Mittellinie jedoch gleich wieder vertändelte.

Den Ballgewinn nutzten die Mainzer, um einen schnellen Gegenangriff über ihre rechte Seite zu starten. Nach einer Maßflanke von Marcel Risse in den Strafraum vollendete schließlich Petar Sliskovic zum Ausgleich. Zwischen Subotics teuer bezahltem Zweikampfgewinn und dem Torschuss lagen rund 18 Sekunden mit sieben Ballkontakten. Zu so vielen hätte es nicht kommen dürfen, beschwerten sich die Dortmunder, nach deren Ansicht die Gäste den Ball ins Aus hätten spielen sollen, um Subotic eine Behandlung zu ermöglichen.

Nach dem Spiel, das dann auch 1:1 endete, ging der verbale Schlagabtausch weiter. Die Dortmunder warfen den Mainzern einen schweren Verstoß gegen das Fair Play vor, während die Beschuldigten mal beteuerten, gar nicht bemerkt zu haben, dass da ein gegnerischer Spieler am Boden liegt, und sich mal damit rechtfertigten, Subotic habe sich schließlich nicht schwer verletzt. Mit der letztgenannten Argumentation hatten sie Schiedsrichter Felix Brych auf ihrer Seite. Der sagte im Interview mit dem ZDF: „Nach der Regel 5 muss ich das Spiel unterbrechen, wenn ich der Meinung bin, es liegt eine ernsthafte Verletzung vor. Diese Meinung hatte ich nicht, und deshalb habe ich das Spiel weiterlaufen lassen.“

Die Diskussion hat letztlich zwei Ebenen – eine moralische und eine regeltechnische. Dass es nicht sonderlich entgegenkommend vom Tabellenfünften war, nach Subotics vorübergehendem Knockout einfach weiterzuspielen, ist fraglos richtig; weniger als der vermeintliche Verfall der guten Sitten soll hier aber die letztgenannte Ebene von Interesse sein: Hat Felix Brych richtig gehandelt, als er die Begegnung laufen ließ? Klare Sache: Er hat. Wörtlich heißt es in der von ihm bemühten Regel 5 („Der Schiedsrichter“) kurz und bürokratisch-trocken: „Das Spiel kann ohne Unterbrechung weiterlaufen, bis der Ball aus dem Spiel ist, wenn ein Spieler [nach] Ansicht [des Schiedsrichters] nur leicht verletzt ist. Das Spiel wird unterbrochen, wenn ein Spieler nach Ansicht des Schiedsrichters ernsthaft verletzt ist.“

Es ist für den Referee letztlich also eine Ermessensfrage, welche Verletzung er – spontan und deshalb zwangsläufig ohne eingehende Analyse – für gravierend hält und welche nicht. Ob er mit seiner jeweiligen Entscheidung richtig liegt, zeigt sich oft erst, wenn das Ausmaß der – vermeintlichen oder tatsächlichen – Blessur deutlich wird. Und da kann man sich Felix Brych in der Causa Subotic eigentlich nur anschließen. Denn dass es überaus schmerzhaft ist, den Ball ins Gemächt zu bekommen, ist zwar unbestritten; dass Subotics Verweildauer auf dem Rasen des Dortmunder Stadions genauso lang gewesen wäre, wenn seine Mannschaft in Rückstand gelegen hätte, darf man jedoch bezweifeln.

Letzteres wird der Schiedsrichter auch berücksichtigt haben, als er beschloss, Hellers unbeabsichtigten Tiefschuss zu ignorieren. Und das nicht ohne Grund: Wenn man zwei Minuten vor Schluss mit 1:0 führt und der Gegner drängt, bleibt man bei Gelegenheit schon mal länger liegen als unbedingt nötig. Felix Brych hat deshalb richtig entschieden, weshalb die Dortmunder gut daran getan hätten, sich mit ihren arg moralinsauren Anwürfen zurückzuhalten. Ein souveräner Tabellenführer sollte derlei Spielchen ohnehin nicht nötig haben.

Alex Feuerherdt ist der verantwortliche Schiedsrichter-Lehrwart des Fußballkreises Köln und ehemaliger Oberliga-Referee. Er lebt als freier Publizist in Köln. Lesen können Sie Alex Feuerherdt u.a. auf Jungle World.

Stellungnahmen von Subotic, Schürrle, Klopp, Tuchel und Brych in einem Video zusammengefasst:

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„So kann man natürlich auch WM-Schiris als Konkurrenz entsorgen!“ – Ex-Schiri Bernd Heynemann im Interview

Bernd Heynemann (*22. Januar 1954 in Magdeburg) ist ein ehemaliger Bundesligaschiedsrichter, der in dieser Funktion auch bei der EM 1996 und bei der WM 1998 eingesetzt wurde. Nachdem er mit 47 die Altergrenze für Schiedsrichter erreicht hatte, blieb er dem DFB erhalten. „Abpfiff“ durfte ihm einige Fragen stellen:

Abpfiff:Herr Heynemann, Sie sind seit 10 Jahren nicht mehr im Bundesligageschehen aktiv. Vermisst man nach so langer Zeit das regelmäßige Pfeifen auf dem Platz noch?

Bernd Heynemann: In den ersten 2 bis 3 Jahren nach dem Ende der Karriere habe ich das Pfeifen sehr vermisst. Es war ja kein gewollter, sondern ein verordneter Abschied. Ich war noch top-fit und mußte nur auf Grund der Altersgrenze aufhören.

Abpfiff: Auf Ihrer Wikipedia-Seite war zu lesen, dass Sie derzeit als Schiedsrichterbeobachter für den DFB national und international eingesetzt sind. Ist das richtig?

Bernd Heynemann: Seit August 2010 bin ich auch nicht mehr als Schiedsrichterbeobachter unterwegs. Der DFB, speziell der neue Schiri-Chef Herbert Fandel, haben keinen Wert mehr auf meine Mitarbeit gelegt. So kann man natürlich auch WM-Schiris als Konkurrenz entsorgen!

Abpfiff: Schauen Sie sich denn privat noch viele Spiele an? Kann man dabei die Spiele ohne den „beruflichen Blick“ schauen, oder lässt sich das nicht komplett abschalten?

Bernd Heynemann: Natürlich sehe ich mir noch viele Spiele, speziell dann bei SKY an. Die „Schiri“-Brille kann ich dann nicht absetzen und ärgere mich maßlos, wenn gerade in der Bundesliga Entscheidungen getroffen werden, die einem die Haare zu Berge stehen lassen.

Abpfiff: Kommen wir zum aktuellen Geschehen: Das Vorgehen von Marc Seemann im Spiel Cottbus gegen Osnabrück (er hatte die komplette Behandlungszeit von Flamur Kastrati nachspielen lassen) wird von vielen Seiten stark kritisiert. Wie beurteilen Sie die Situation?

Bernd Heynemann: Die Entscheidung, das Spiel in Cottbus „voll“ durchzuziehen halte ich für nicht richtig, zumal ja beide Teams mit ihrer Spielweise dokumentiert haben, dass sie nicht weiterspielen wollen. Ich hätte nach 90 Minuten abgepfiffen, denn meine Uhr ist entscheidend.

Abpfiff: Die Fehlentscheidungen scheinen sich in den letzten Monaten erhöht zu haben.  Können Sie dem zustimmen und haben eine Erklärung dafür? Ist das nur eine zufällig schwache Phase, oder ist das Spiel vielleicht sogar zu schnell für die Schiedsrichter geworden?

Bernd Heynemann: Ich gehe mit Ihrer Einschätzung mit, dass die Leistungen der Schiris in der Bundesliga schlechter geworden sind. Sie scheinen mir verunsichert und wollen dies durch „Sicherheitsentscheidungen“ kompensieren. D.h. lieber einen Pfiff zuviel, als zu wenig. Dies hilft aber niemanden und eine immer schützende Hand über die Leitungen zu halten, macht unglaubwürdig. Aus meiner Sicht ist das Spiel auch nicht schneller geworden, nur intensiver. Das ist für mich schon ein Unterschied und es ist mehr Fußballpraxis für die Schiris gefragt.

Abpfiff: Die FIFA hat die Einführung des Chips im Ball um mindestens 1 Jahr verschoben und setzt stattdessen 2012 bei der EM Torrichter ein. Wie stehen Sie zu dieser Entscheidung?

Bernd Heynemann: Eine Lösung mit 2 oder vielleicht einmal 4 Torrichtern halte ich für keinen guten Weg. Der Chip im Ball ist die Alternative, wird aber bisher verhindert, weil sich einige Spitzenfunktionäre wie Platini verweigern.

Abpfiff: Auch der Videobeweis wird derzeit immer heftiger diskutiert. Glauben Sie, die Einführung ist im Fußball sinnvoll? Vielleicht in einer Art „Challenge“, also einer zahlenmäßig begrenzten Eingriffsmöglichkeit für jede Mannschaft, wie es sie schon im Tennis oder Eishockey gibt?

Bernd Heynemann: Der Videobeweis ist das „Öffnen“ einer Tür, die dann niemand mehr zu bekommt. Jetzt geht es um Hand oder nicht, später um jeden Einwurf. Auch ein „Challenge“ halte ich nicht für die Lösung, wenn mann z.B. 3 Mal intervenieren kann, aber beim 4. Mal ein ganz klares Vergehen dann nicht mehr in die Bewertung kommt. Fußball ist ein lebendes und emotionales Spiel. Das sollte es bleiben!

Abpfiff: Hätten Sie zum Abschluss vielleicht noch eine witzige Anekdote aus ihrer Schiedsrichterzeit für uns?

Bernd Heynemann: Noch eine Anekdote aus meiner Zeit, die beschreibt, was auch Kommunikation sein kann: Bei einem Spiel in Leverkusen habe ich kurz vor der Halbzeit in der Nähe der Bänke einen Spieler „zusammengefaltet“ (harte Ansprache mit dem Hinweis, fair zu Spielen). Als wir dann in die Kabine gingen stand Calli Callmund im Gang und lachte herzhaft. Ich fragte ihn, weshalb er so lachte und er antwortete mir:“ Bernd , dass hast Du gut gemacht, wie Du unseren Spieler angezählt hast. Der hat ganz schön dumm geguckt. Nur schade, dass er Dich nicht verstanden hat, der ist nämlich Brasilianer und versteht kein deutsch.“

Abpfiff: Vielen Dank für ihre Meinung und das aufschlussreiche Gespräch.

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Mit Herz und Hunt – 100 % Werder – „Das gibt jedem Spieler einen psychologischen Knacks!“

„Abpfiff“ bewegt sich heute im Abseits und kümmert sich um ein Thema, das für alle Fußballklubs und vor allem für deren Fans Relevanz hat: Support für das eigene Team und Unmutsäußerungen von den Rängen.
Dazu spreche ich heute mit einem der Initiatoren der Aktion „Mit Herz und Hunt – 100% Werder“ zum Heimspiel von Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach. Komplett ohne Schiri-Content kommen wir aber auch diesmal nicht aus:

Abpfiff: Hallo Kiki. Danke, dass du dir die Zeit für ein Interview genommen hast. Erstmal vorweg: Wie zufrieden bist du mit dem Spiel? Für Werder wohl eher 2 verlorene Punkte, oder?
Kiki: Ja, muss man einfach so sagen. Man hat sich zum Schluss selber wieder in Bedrängnis gebracht und nach dem blöden Dribbling von Wesley und dem damit einhergehenden Foul war das Gegentor folgerichtig.                                                              Aber ich bin trotzdem insgesamt zufrieden, man hat über weite Strecken das Spiel kontrolliert und die Sicherheit in die Kombinationen sind endlich wieder da. Dass die Mannschaft den Abstiegskampf angenommen hat, war in den Spielen vorher schon zu sehen. Ich bin zuversichtlich für die restlichen Spiele und wünsche auch Gladbach alles Gute, dass sie drinbleiben.

Abpfiff: Wie zufrieden bist du mit der Schiedsrichterleistung von Manuel Gräfe und seinen Assistenten? Auch wenn es wohl einige knifflige Szenen gab (wie das Foulspiel von Frings an Daems vor dem 1:0), haben beide Teams schon ganz andere Schiedsrichterleistungen erlebt in dieser Saison, oder?                                                            Kiki: Das stimmt auf jeden Fall. Ich war mit der Leistung zufrieden, auch wenn ich die kniffligen Szenen nur aus dem Stadion beurteilen kann. Vorm Fernseher sieht das meiste dann ja doch nochmal anders aus. Die eklatanten Fehlentscheidungen blieben aber aus, 2-3 kleinere Dinger darf sich ein Schiedsrichter in meinen Augen immer erlauben.            Kommt ja auch immer drauf an, welche Linie er verfolgt und ob es überhaupt eine gibt. Die konnte ich von Manuel Gräfe schon erkennen. War aber auch ein leicht zu pfeifendes Spiel.

Abpfiff: Die Aktion „Mit Herz und Hunt – 100% Werder“ ist am Samstag gelaufen. Was kannst du zur Resonanz in der Presse, den Fans und der Mannschaft sagen? Hat Aaron selbst sich bei euch direkt gemeldet?                                                                                 Kiki: Die Resonanz in der Presse war unglaublich und hatten wir im Vorfeld auch so nicht erwartet. Alle wichtigen Bremer Zeitungen hatten es groß mit drin und auch in den Lokalberichten im Fernsehen tauchte es mit auf. Hätte vor der Entstehung wohl niemand mit gerechnet.                                                                                                                            Aaron selber hatte sich nicht gemeldet, durch seine Freundin und aus dem Mannschaftskreis war aber zu vernehmen, dass er sich sehr über so eine Unterstützung gefreut hat.

Abpfiff: Aaron Hunt fiel verletzungsbedingt für das Spiel aus. Gab es da Überlegungen, die Aktion zu verschieben?                                                                                                           Kiki: Das er ausfällt haben wir selber auch erst beim Abschlußtraining erfahren, als wir grade das 32m Banner aufgehängt haben. Aber da war uns eigentlich vor Ort auch schon klar das wir das Ganze trotzdem durchziehen mit den 10.000 Flyern und auch im Stadion. Ansonsten hätte man auch den Kritikern recht gegeben, die der Überzeugung waren, dass diese Aktion eine „Pro-Hunt“ Aktion ist.

Abpfiff: Es ging euch bei der Aktion also vorallem um ein allgemeines Statement und die Pfiffe gegen Aaron Hunt waren nur der Aufhänger für die Aktion. Glaubt ihr, das ist an den anscheidenden Stellen, also bei den pfeifenden Fans, angekommen? Viele Medienberichte konzentrierten sich ja eher auf den Namen Hunt.                                     Kiki: Ja aber es wurde auch fast überall der Text des Flyers abgedruckt, woraus klar hervorging, dass es um das ganze Team geht. Hätte man Hunt nicht als Aufhänger benutzt wäre auch niemand drauf angesprungen. So konnte man die richtigen Leute direkt erreichen und auch vor Ort und in der Presse mit vielen Gesprächen die Aktion erklären.

Abpfiff: Ich würde gerne noch mal auf die Entstehung der Aktion eingehen. Wie habt ihr euch gefunden und wie schwierig war dann die Umsetzung (finanziell, Arbeitsaufwand usw.)? Neben der Präsentation des Banners am Spieltag, was beinhaltete die Aktion noch?  Kiki: Entstanden ist die Idee direkt nach dem Leverkusen-Spiel. Dort verletzte sich Tim Borowski und Aaron Hunt lief sich warm. Und wurde dort schon direkt vor der Fankurve beim Warmmachen ausgepfiffen. Schlussendlich gab er die entscheidende Flanke zum 2:2 und anstatt wie die restlichen Spieler in die Fankurve zu gehen zog er sich zurück und ging in die Kabine. Aus Angst vor weiteren Pfiffen und Pöbeleien.                         Daraufhin haben sich im Worum einige Leute zusammengefunden, die das so nicht tolerieren wollten und einerseits Aaron Hunt unterstützen und andererseits daraufhinweisen wollten, dass die Pfiffe gegen einen einzelnen Spieler dem ganzen Team schaden.                                                                                                                                            Die Umsetzung ging daraufhin fast leichter als erwartet. Es gab über 40 Spender und vor Ort fanden sich auch sehr viele Leute, die das ganze in die Tat umsetzten. Zum einen stundenlang in einer Tiefgarage malten, zum anderen auch beim Training und im Stadion das Banner aufhängten. Dazu gab es noch 40 Plakate rund um das Stadion und weitere 10.000 Flyer (alles von einer Druckerei gespendet), die wir vor dem Spiel verteilten.

Abpfiff: Es ist kein Geheimnis, dass mein Herz für die Borussia aus Mönchengladbach schlägt. Wir hatten in der Hinrunde mit Logan Bailly einen ähnlichen Fall, als jeder Ballkontakt von ihm mit einem höhnischen Applaus bedacht wurde und unser damaliger Trainer Michael Frontzeck Logan schützen und aus dem Tor nehmen musste. Glaubst du persönlich, dass solche Unmutsbekundungen auch Positives bei einem Spieler bewirken können? Nach dem Motto „Jetzt zeig´ ich´s denen erst recht!“?                                                                                                                                         Kiki: Kann ich mir nicht vorstellen. Nicht bei den eigenen Fans. Wenn Tim Wiese von den Hamburgern ausgepfiffen wird, dann kommt der daraufhin erst richtig auf Betriebstemperatur. Aber wenn die eigenen Fans dich auspfeiffen und das Ganze schon bevor man überhaupt einen Ball berührt hat, da glaube ich das es bei jedem Spieler einen psychologischen Knacks gibt.

Abpfiff: Was entgegnet man denn dann solchen Menschen, die der Meinung sind, sich mit der Eintrittskarte auch das Recht erworben zu haben, die Mannschaft und im speziellen einzelne Spieler auszupfeifen?                                                                                                      Kiki: Indem man versucht auf sie einzureden. Ich muss zugeben das ich gegen solche „Pfeifen“ auch schon etwas lauter wurde im Stadion. Weil ich einfach finde das es sich nicht gehört. Und man hatte in dieser Saison schon öfter solche Situationen, in der Hinrunde war Mikaël Silvestre der Buhmann, nun war es Aaron Hunt. Bei dem Spiel gegen Leverkusen kam man aber nicht mehr gegen an. Die waren plötzlich überall.

Abpfiff: Es bleibt zu hoffen, dass eure Aktion ein bisschen das Bewusstsein der Fans für den Umgang mit der eigenen Mannschaft geschärft hat. Kann man von euch in Zukunft noch weitere Aktionen erwarten oder war das eine einmalige Aktion?                                 Kiki: Es sollte ja auch schon eine Aktion für Naldo geben, der ja leider schon die ganze Saison ausfällt. Die wurde aber aufgrund der Brandschutzbestimmungen abgelehnt, auch wenn der Verein selber von der Aktion begeistert war. Von daher kann es schon sehr gut sein, dass da nochmal was kommt, sowas kann man aber nicht weit im Voraus planen, sondern wird dann sicher wieder spontan sein.

Abpfiff: Zum Abschluss würde ich gerne noch ein, zwei Fragen zur aktuellen Diskussion um technische Hilfsmittel im Fußball fragen. Großes Thema, aber vielleicht anwortest du knapp mit einer kurzen Begründung: Videobeweis, in welcher Form auch immer, einführen?                                                                                                                                          Kiki: Einerseits bin ich Fußball-Tradionalist, anderseits nehmen die Fehlentscheidungen immer mehr zu, da auch das Spiel immer schneller wird. Aber ich würde eine Einführung sehr schwierig finden. Das kann man auch nicht mit Tennis, Football oder Eishockey vergleichen. Dort gibt es andauernd Unterbrechungen, wo auch die Zeit angehalten wird. Das hat man im Fußball nicht. Außerdem lebt der Fußball auch gewissermaßen von Fehlentscheidungen. Man braucht da einfach diese Reibungspunkte. Bei Toren könnte ich mir das ganze vorstellen, aber bei Foulspielen oder Abseitsentscheidungen halte ich es für nicht umsetzbar.

Abpfiff: Die Einführung des Chips im Ball, der zeigt, ob der Ball die Linie überquert hat, wurde von der FIFA erst kürzlich um mindestens ein Jahr verschoben. Dafür werden zur EM 2012 Torrichter eingesetzt. Sinnvoll oder verschwendeter Aufwand?                            Kiki: Verschwendeter Aufwand. Was diese Torrichter machen erschließt sich mir nicht. Finde ich auch im Europapokal schon völlig daneben.

Abpfiff: Das war es auch schon. Nochmal vielen Dank für dieses Interview und viel Erfolg für Werder im Abstiegskampf!

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